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Zeitzeugenprojekt der Klasse 10b 2006 erringt Förderpreis "Jugendradar" der ZIRP
 


Das Zeitzeigenprojekt der Klasse 10b (2005/2006), eine Kooperation zwischen dem Landesmusikgymnasium und dem Alten- und Pflegeheim des Hospitalfonds, Montabaur unter dem Motto "Musik verbindet Generationen" erfuhr im März 2007 noch eine prominente Auszeichnung: Im Rahmen der Preisverleihung „Jugend gestaltet Zukunft“ der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) erreichte das Projekt einen dritten Preis in der Kategorie "Jugend sozial"

Ministerpräsident Kurt Beck, Bildungsministerin Doris Ahnen und Bundespräsident Horst Köhler sorgten für den gebührenden Rahmen und ehrten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Projektleiter Claus-Peter Beuttenmüller mit einer Laudatio.
 

Preisverleihung durch Kurt Beck und Horst Köhler

Text der von Ministerpräsident Kurt Beck bei der Preisverleihung verlesenen Laudatio:
„Musik verbindet Generationen“, Musik ist eine Sprache, die alle Menschen, ob alt oder jung, verstehen. Sie spiegelt den Zeitgeist einer Epoche wieder, regt zur Erinnerungsarbeit und zum Erzählen an und bietet so einen gemeinsamen Ansatzpunkt für den weiteren Austausch. Aus diesem Grunde, besuchen Schüler des Landesmusikgymnasiums die Bewohner eines Altenheims, um ihnen mit ihrer Musik die Zeit zu vertreiben, gemeinsam Jahresfeste zu gestalten, zu singen, zu basteln, nach den „alten Zeiten“ zu fragen und über die „heutige Jugend“ zu erzählen. Im Gegenzug besuchen die Senioren als Zeitzeugen den Geschichtsunterricht der Schüler und nehmen an Schulfesten teil.
Neben der Weitergabe von wertvollem Wissen und authentischen Lebensgeschichten von Senioren an Jugendliche ermöglicht das Projekt so auch ein Miteinander der Generationen und damit gegenseitiges Verständnis füreinander.


 

Pressebericht: (Ausschnitt)

Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz hat 2006 zum zweiten Mal den Anerkennungs- und Förderpreis „Zukunftsradar“ ausgeschrieben. Bewerben konnten sich Kinder und Jugendliche, die sich in der Schule oder in der Freizeit gemeinsam mit anderen vor allem in den Bereichen Kultur, Umwelt, Sport, Soziales oder Politik engagieren. Die 99 eingegangenen Bewerberprojekte wurden wie im vergangenen Jahr in vier etwa gleichgewichtige Kategorien eingeordnet: „Jugend kreativ“, „Jugend aktiv“, „Jugend sozial“ und „Jugend kompetent“. Es gibt außerdem einen Sonderpreis für Innovation.

Die Preisverleihung fand am 23. März 2007 im Boehringer Ingelheim Center in Ingelheim statt. Die Reihenfolge der Preise blieb bis zur Preisverleihung geheim.


Projektdarstellung für den Wettbewerb

Das Projekt bildet eine Kooperation zwischen einer 10. Klasse des Landesmusikgymnasiums und dem Alten- und Pflegeheim des Hospitalfonds, beide aus Montabaur. Im Rahmen des Geschichte- und Sozialkundeunterrichts bearbeitete die Klasse den im Lehrplan vorgesehenen Unterrichtsstoff über die Zeit der beiden Weltkriege und die Weimarer Republik (Geschichte) und die gesellschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit (Sozialkunde) mit Hilfe von Zeitzeugen. Diese fanden sich im örtlichen Alten- und Pflegeheim und der angeschlossenen Wohnanlage, wo der dortige Pflegedienst die Koordination übernahm. Durch entsprechende Einrichtung des Stundenplans konnte der Austausch für ein ganzes Schuljahr etwa im monatlichen Rhythmus ergänzend zum normalen Unterricht geplant werden. Die Organisatoren dieses Projekts versprachen sich einen Austausch zwischen Jung und Alt, von dem alle Beteiligten weit über die rein fachlichen Ziele hinaus ganz individuell profitieren: Die alten Menschen erfahren eine Wertschätzung ihrer Person, indem junge Menschen sie an ihrer Welt teilhaben lassen. Die Jugendlichen erleben Geschichte und gesellschaftliche Entwicklung als ganz persönliche Schicksale.
Für die Schülerinnen und Schüler des Landesmusikgymnasiums lag als verbindendes Element zwischen den Generationen die Musik nahe: Musik ist eine Sprache, die alle Menschen, ob alt oder jung, ohne Worte verstehen. Musik spiegelt den Zeitgeist einer Epoche wider und regt zur Erinnerungsarbeit und zum Erzählen an. Junge Menschen erleben, dass alte Menschen trotz körperlicher Gebrechen und teils schwindender geistiger Regsamkeit durch Musik in ihren Gefühlen erreichbar sind. Sie erfahren authentische Lebensgeschichten und lernen damit die Zeitgeschichte Deutschlands und der heimischen Region kennen. Nicht zuletzt erhalten sie Einblicke in unterschiedliche Berufsbilder, die für sie selbst in Zukunft interessant sein können, z.B. Musiktherapie, Sozialarbeit, Altenpflege.

Die Klasse hat die Seniorinnen und Senioren nach vorausgegangenen Einzelbesuchen im Oktober 2005 erstmalig im Heim besucht und mit ihnen gemeinsam und in Gruppen musiziert, gesungen und erzählt. Anfangs war es nicht einfach, die beiderseitigen Erwartungen unter einen Hut zu bringen und sich über die Kluft von 70 oder 80 Lebensjahren näher zu kommen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Regelmäßige Auswertungsgespräche der Jugendlichen mit den Betreuerinnen nach den Treffen hatten eine Angleichung dieser Erwartungen zur Folge, so dass die weiteren Treffen schon viel weniger steif verliefen, als das erste.
In den etwa monatlichen dreistündigen Besuchen und einigen dazwischenliegenden außerplanmäßigen Treffen, die jeweils unter einem Thema standen, wurden die Jugendlichen und die Bewohner des Altenheims von den Betreuerinnen mit frisch gebackenen Waffeln verwöhnt, sie besuchten gemeinsam ein Konzert im Altenheim, sie gestalteten musikalisch eine besinnliche weihnachtliche Stunde in der Kapelle des Altenheims, sie bastelten Osterschmuck, sie feierten ein Frühlingsfest usw.
Im Gegenzug für die Gelegenheit zum Besuch im Altenheim konnten die Schülerinnen und Schüler ihre betagten Bekannten zum alljährlichen Weihnachtskonzert des Landesmusikgymnasiums einladen und fünf Seniorinnen mit ihren Begleiterinnen in der Schule in den Geschichte-Unterricht integrieren. So lebendig und spannend, interessant und erschütternd kann Geschichte sein, wenn sie die Lebensgeschichte eines Zeitzeugen ist: „Mit 18 war ich in Venedig, da hatten wir den Führer und die ihren Duce ...“ (Das war 1934); „Nach vier Jahren kam mein Mann aus russischer Gefangenschaft. Wir hatten nichts! ...“ (Das war 1948); „Unser erstes Auto ... “ (in den 60ern); „Und dann sind wir nach Mallorca geflogen ...“ (in den 70ern); „Und seit elf Jahren bin ich jetzt Witwe ...“. Und zur großen schulischen Kappensitzung konnte die Klasse einen gemeinsamen Sketch mit einer 90jährigen Besucherin aufführen, die humorig aus ihrem Leben berichtete.
Zum Abschluss einige Aussagen der Jugendlichen im O-Ton: „Es war eine ganz tolle Erfahrung, die Klassengemeinschaft wurde gestärkt, und ich habe viel gelernt“ (Julia Kingen); „Man hat hierdurch erst eine ganz andere Generation kennen gelernt, aus der man sonst meist nur die eigenen Großeltern kennt“ (Anne Schneider); „Das Treffen mit den alten Menschen war eine durchaus reizvolle Erfahrung“ (Christopher Schmitz); „Alles war mit jedem Besuch einfacher und gehörte zum Schluss einfach dazu“ (Wiebke Neuroth); „Lebens- und Zeitgeschichten wurden erfahrbar“ (Anna Nachtsheim).

C.P. Beuttenmüller

 


Folgende drei Personen nahmen am 23.03.2007 stellvertretend für die beteiligte Klasse an der Preisverleihung teil: Anna Nachtsheim, Jan van Vliet, Claus Peter Beuttenmüller (Klassenleiter).
 
 
       
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