Foto: Anken Bohnhorst-Vollmer
(Pab) Auf Initiative unseres Schulleiters OStD Richard Moser besuchte der Holocaust-Überlebende Gerd Klestadt, der heute in Luxemburg wohnt, am 30. Januar 2012 das Landesmusikgymnasium Montabaur und berichtete über seine Erlebnisse während der Zeit des sogenannten „Dritten Reichs“.
1932 in Düsseldorf als Sohn des Juristen Berthold Klestadt (1899-1945) und seiner Frau Ruth Klestadt-Grüntal geboren, konnten seine Eltern 1936 mit dem noch nicht Vierjährigen und seinem drei Jahre jüngeren Bruder Peter der Verfolgung durch die Nazis in die Niederlande entkommen. Weil die Familie jüdisch war, wurde sie von den deutschen Behörden „ausgebürgert“: Sie verlor ihre Staatsangehörigkeit, lebte „ohne Nationalität und ohne Papiere“ (Gerd Klestadt) in der holländischen Provinz Utrecht. 1942, zwei Jahre nach der deutschen Besetzung, erhielten die Klestadts dank der unermüdlichen Bemühungen des Großvaters Moritz Grüntal (1878-1956), eines Ingenieurs und Fabrikbesitzers, der sich mit seiner Frau nach Liechtenstein hatte retten können, neue Pässe - aus Paraguay. Doch statt nach Südamerika (oder nach Palästina) emigrieren zu können, wurde die Familie 1943 verhaftet und zunächst in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Während Gerd Klestadts Großmutter väterlicherseits in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und ermordet wurde, verschleppten die Nazis ihn selbst mit seinen Angehörigen Ende Januar 1944 von Westerbork in das KZ Bergen-Belsen.
„Auf dieser Reise in die Hölle“, so Gerd Klestadt, „wurde Männern, Frauen und Kindern ihre menschliche Würde und ihr Überlebenswille geraubt.“ Im Rahmen einer von OStR Gitta-Josephine Peda und ihrem Kollegen Marcel Moning (Mons-Tabor-Gymnasium) organisierten Veranstaltung schilderte Klestadt, wie bei ihrer Ankunft die Frauen mit Töchtern und kleinen Kindern von den Männern und Jungen getrennt wurden, wie er als Elfjähriger bei seinem Vater blieb und miterleben musste, dass dieser eines Nachts im Frühjahr 1945 neben ihm starb.
Am 6. April 1945 wurde Gerd Klestadt zusammen mit rund 2500 anderen KZ-Insassen von der SS in einen Zug gesteckt, „Ziel unbekannt“. An seinem vermutlichen Bestimmungsort, dem KZ Theresienstadt, kam der Todestransport jedoch nie an, sondern blieb am 12. April in der Nähe von Farsleben (Sachsen-Anhalt) stehen, von seinen Bewachern aufgegeben und sich selbst überlassen. Am darauf folgenden Tag wurden die Überlebenden, darunter Gerd Klestadt, seine Mutter und sein Bruder, von Soldaten der 30. US-Infanteriedivision befreit.
Über Gerd Klestadts Vortrag, an dem Schülerinnen und Schüler des LMG, des Mons-Tabor-Gymnasiums und des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg teilnahmen, schreiben Eva-Maria Giebel und Lucy Hensel (Jgst. 11):
„Gebannt hörten die rund 450 Gymnasiasten seiner bewegenden Geschichte zu. Das Gefühl, das er uns vermitteln wollte, wurde durch schockierende und emotionalisierende Bilder veranschaulicht.
Die Oberstufenschüler erhielten zum ersten Mal einen Eindruck vom Alltag in einem Konzentrationslager. Erstaunlich war die offene Art, über sein Kindheitstrauma und seine damit zusammenhängenden psychischen Probleme zu sprechen. So musste er den Verlust des Vaters in nächster Nähe sowie den täglichen Anblick unzähliger Leichen ertragen. Diese Belastungen führten 1990 zu einem Selbstmordversuch, nach dem er eine zehnjährige Therapie begann.“
„Erst mit Hilfe eines Psychiaters“, ergänzt Moritz Hennemann (Jgst.11), „konnte er die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten. Seit etwa 2000 hat Gerd Klestadt es sich zur Aufgabe gemacht, mit Schülern über die Zeit der NS-Herrschaft aus der Sicht der Verfolgten zu sprechen, um gegen das Vergessen anzugehen.“
Aileen Nierentz (Jgst. 11) fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Vor uns stand ein Mann, der, obwohl er diese furchtbare Zeit persönlich miterlebt hat, immer noch an die Menschheit glaubt. Mit seinen Vorträgen will er verhindern, dass sich solche Kapitel der Geschichte wiederholen. Und jeder persönlich muss seinen Teil dazu beitragen, dass genau dies nicht passiert.“
Hier sind einige Exponate der Ausstellung zum Thema "Schindlers Liste" zu sehen. Weitere eindrücke aus der aktuellen Aussttellung von Schülerarbeiten finden sie in der Fotogalerie.









Die Klasse 8a unternahm ihre erste Geschichtsexkursion am 22.08.11 mit dem Ziel Hauptstadt des nordrömischen Reichs: Trier. Mit Bus und Bahn ging es über Limes hinüber mitten ins ehemalige römische Reich. In Trier besuchten die Schülerinnen und Schüler die bekannten römischen Bauwerke wie das Amphitheater, die Konstantinsbasilika, die Kaiserthermen und natürlich das Wahrzeichen Triers, die Porta Nigra, wo die Klasse im Rahmen einer Erlebnisführung auf einen römischen Zenturio (zugegebenermaßen vom Stadttheater Trier) traf, der die Teilnehmer in das „Geheimnis der Porta Nigra“ einweihte und selbst ins Staunen kam, als er sich mit Plakat „8a – Germanen undercover“ konfrontiert sah. Da auch Jupiter, verantwortlich für das Wetter, es an diesem Tag gut mit den Treverern meinte, wurde der Tag mit einer weiteren römischen Tradition, einem guten Eis, erfolgreich abgeschlossen.
(Juni 2011/Pab) Zwei Schülerinnen des Landesmusikgymnasiums Montabaur waren beim diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erfolgreich, der dem Thema „Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“ gewidmet war. Aus insgesamt 1152 Beiträgen von bundesweit 3600 Jugendlichen wurden ihre Arbeiten, bei deren Anfertigung sie von ihrer Geschichtslehrerin Gitta-Josephine Peda betreut wurden, ausgewählt und präsentiert. Hannah Rechenthäler (Jahrgangsstufe 12) wurde Landessiegerin (250 Euro) mit ihrem Aufsatz „Diskussion um den Abriss des ehemaligen Franziskanerklosters zu Montabaur“, Elisa Mahler (Jahrgangsstufe 12) erhielt einen Förderpreis (100 Euro) für eine Arbeit über den Selbstmord des Terroristen Holger Meins in der Justizvollzugsanstalt Wittlich. Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wird seit 1973 von der Körber-Stiftung und dem Bundespräsidialamt ausgerichtet, er ist der größte historische Leistungsvergleich für den Nachwuchs in Deutschland.




